Michigit oder Norberg? Gitarrenkurse für Wiedereinsteiger ab 40 im Vergleich

Michigit gegen Norberg: Online-Gitarrenkurs für Wiedereinsteiger ab 40 im direkten Vergleich

Ein Online-Gitarrenkurs für Wiedereinsteiger ab 40 darf nicht zu viel kosten, wenn am Ende nur zwanzig bis dreißig Minuten Übungszeit pro Tag übrig bleiben. Diese Überlegung hat mich bei meinem Vergleich von Michigit und Norberg mehr beschäftigt als jede Sternebewertung im Netz.

Getestet habe ich beide Programme über mehrere Monate, dazu zwei weitere Kurse, die im Lauf des Vergleichs immer wieder auftauchten. Kurzer Transparenzhinweis vorab: Einige Links in diesem Beitrag sind Affiliate-Links, über die ich bei einer Buchung eine Provision erhalte, ohne dass für Sie ein höherer Preis entsteht. Im Zentrum stehen meine Erfahrung mit dem Michigit Gitarrenkurs und der direkte Vergleich mit dem Programm von Norberg, dazu zwei weitere Kurse, die für Wiedereinsteiger ebenfalls infrage kommen.

Michigit oder Norberg: welcher Online-Gitarrenkurs passt zum Wiedereinstieg ab 40?

Beide Namen gehören zu den bekanntesten der deutschen Online-Gitarrenszene, auch wenn sie kaum unterschiedlicher an die Sache herangehen könnten. Der Michigit Gitarrenkurs wird für 127 USD angeboten, sein Lehrer ist durch seine YouTube-Videos bekannt, und eine Ratenzahlung erleichtert vorsichtigen Kalkulatoren wie mir den Einstieg. Der norberg Gitarrenkurs kostet 165 USD und ist seit 11,5 Jahren am Markt – mit einer Stornoquote von lediglich 0,44 Prozent, was für eine ungewöhnlich hohe Zufriedenheit unter den Kunden spricht. Ein ausführlicherer Vergleich mehrerer Kursstrukturen aus genau dieser Perspektive – Berufstätige über vierzig, die täglich höchstens dreißig Minuten üben – würde einen eigenen Beitrag füllen; hier geht es bewusst nur um die zwei Anbieter, die bei meinem Wiedereinstieg tatsächlich zur Debatte standen.

Pädagogisch trennen sich die Wege schnell. Michigit fördert durch kleinteilige Lektionen eine schnellere Spielpraxis, man hat rascher das Gefühl, etwas abgeschlossen zu haben. Norberg setzt dagegen auf tiefere theoretische Fundierung, was am Anfang etwas zäher wirkt, langfristig aber eine größere Unabhängigkeit beim Improvisieren über einen Akkord ermöglicht, vergleichbar mit dem Unterschied zwischen einem Sprachkurs, der schnell Small Talk vermittelt, und einem, der Grammatik von Grund auf aufbaut.

Kosten pro Übungseinheit: die Rechnung vor der Buchung

Projektleiter rechnen, bevor sie unterschreiben, das gilt offenbar auch für Gitarrenkurse. Bei Michigit komme ich nach neunzig Tagen und rund zwanzig Minuten Übung pro Tag auf etwa 1,41 USD pro Übungseinheit, ausgehend vom Einmalkauf für 127 USD. Zum Vergleich: Eine lokale Musikschule in Hannover verlangt für eine halbe Stunde Präsenzunterricht schnell 30 bis 40 Euro – ein Wert, an den kein Online-Kurs auch nur annähernd herankommt.

Wer stärker songorientiert lernen möchte, findet im AndiTGitarre Nr.1 Gitarrenkurs eine dritte Option: 126 USD für 17 Lektionen mit rund acht Stunden Videomaterial und über 40 Songs, die konkret durchgenommen werden. Für alle, die zügig ein paar Stücke am Lagerfeuer spielen wollen, habe ich die Details in meiner AndiT Gitarre Nr.1 Bewertung zusammengefasst.

Ob sich langfristig ein Abo oder ein Einmalkauf mehr lohnt, hängt stark vom eigenen Durchhaltevermögen ab – ein Thema, das eine eigene Rechnung verdient und das ich hier nur streife. Genauso habe ich bei beiden Hauptanbietern kurz die jeweilige Testphase ausprobiert, auch wenn ein echter Vergleich der Rückgabefristen einen eigenen Beitrag braucht. Die dritte Option, meineMusikschule, liegt mit 253 USD im oberen Preissegment, bietet dafür aber ein deutlich breiteres Kursspektrum.

Nach sechs Wochen zeigte sich der erste echte Unterschied

Bevor überhaupt ein Kurs gebucht war, hatte ich ein altes Songbook aus den Neunzigern hervorgekramt, das noch aus meiner kurzen Zeit als Teenager mit der Gitarre stammte. Es gab keine sinnvolle Reihenfolge der Stücke und keinen Aufbau von leicht zu schwer – nach wenigen Tagen lag es wieder im Regal, weil ich nicht wusste, wo ich anfangen sollte.

Sechs Wochen nach dem eigentlichen Start blieb ich am Hauptbahnhof vor einem Straßenmusiker stehen, der genau das Riff spielte, an dem ich seit Tagen geübt hatte. Zum ersten Mal konnte ich der Akkordfolge im Kopf folgen, ohne den Faden zu verlieren – kein großer Moment, aber einer, an den ich dachte, als der kleine Übungsverstärker zuhause im Standby sein leises Brummen von sich gab.

Ein Nachbar von mir schnitzt am Wochenende Holzfiguren, mit einer Hartnäckigkeit, die mich fast beschämt hat, jeder scheint sein eigenes Projekt zu haben, das er nach Feierabend systematisch durchzieht, und meins war eben die Gitarre.

Struktur, Songs und das richtige Setup finden

Wer eher analytisch denkt, wird mit der Norberg Methode glücklicher, weil sie erklärt, warum eine bestimmte Saite gegriffen wird, statt nur zu zeigen, wie. Wie genau man den eigenen Fortschritt über Wochen hinweg misst, jenseits des Bauchgefühls, ist noch einmal ein eigenes Thema, das ich hier nur anreiße. Klassische Notenschrift war bei beiden Kursen keine Voraussetzung, und ob man ganz ohne Noten auskommt, ist wieder eine eigene Debatte für sich.

Für ein moduläres Vorgehen, bei dem man sich die passenden Kapitel herauspicken kann, ohne ein ganzes Semester nachzuholen, bleibt die meineMusikschule E-Gitarre mein Favorit unter den drei Optionen. Ob dabei überhaupt eine E-Gitarre oder eine Akustikgitarre die bessere Wahl für den Wiedereinstieg ist, hängt vom eigenen Ohr und vom Nachbarn durch die Wand ab, auch das ein Thema für sich.

Wie sich die Übungszeit überhaupt in einen vollen Alltag als Projektleiter einbauen lässt, beschreibe ich ausführlicher in meinem Beitrag Gitarre lernen als Erwachsener. Meistens sind es die fünfzehn Minuten direkt nach Feierabend, bevor der Tag einen wieder einholt. Welches Zubehör für einen Wiedereinstieg tatsächlich sinnvoll ist und wie es um die Fingerfertigkeit nach Jahrzehnten Pause steht, sind zwei weitere Fragen, die ich an dieser Stelle bewusst nur streife, statt sie vollständig auszurollen.

Meine Entscheidung nach einem halben Jahr

Einen Kurs eines US-Anbieters habe ich zwischendurch abgebrochen, weil mir das Abo-Modell zu unübersichtlich wurde – monatliche Abbuchungen, deren Gegenwert ich nie richtig einschätzen konnte. Wer dagegen eine schnelle Erfolgskurve sucht und die lockere Art von YouTube-Tutorials mag, ist beim Michigit Gitarrenkurs gut aufgehoben; das Preis-Leistungs-Verhältnis bei 127 USD stimmt, auch ohne dass man es groß als Mittelalterkrisen-Rettung verkaufen müsste.

Wer dagegen das Instrument Gitarre von Grund auf verstehen will, um später auch ohne Anleitung Songs selbst zu zerlegen, bekommt bei Norberg für 165 USD das solidere Fundament. Für den modularen, eher professionellen Aufbau bleibt die meineMusikschule meine persönliche Wahl im oberen Preissegment, besonders wenn es Richtung E-Gitarre gehen soll.

Entscheidend ist am Schluss weniger, welcher Anbieter auf dem Papier gewinnt, sondern ob der Kurs zum eigenen Zeitbudget passt – das ist die eine Lehre, die aus einem halben Jahr Wiedereinstieg hängen geblieben ist. Wer sich für ein Programm entscheidet, das zur eigenen Tagesstruktur passt statt zum größten Funktionsumfang, kommt am Ende weiter, als jede Kalkulation vorher vermuten lässt.