Gitarre lernen online: Warum die Norberg Methode für analytische Lerner funktioniert

Aktualisiert
Gitarre lernen als Erwachsener: Wiedereinstieg mit der Norberg Methode im Online-Kurs

Vierzig Minuten Einzelunterricht bei einem Gitarrenlehrer kosten in Hannover mehr als ein ganzer Monat mit einem strukturierten Online-Kurs - und trotzdem habe ich lange zwischen beiden Wegen geschwankt. Mit 47 nach 25 Jahren Pause wieder Gitarre lernen zu wollen, ist für einen Erwachsenen mit vollem Kalender eine Frage von Minuten pro Woche und Kosten pro Übungseinheit, nicht von Leidenschaft. Für den Wiedereinstieg habe ich mich für die Norberg Methode entschieden, weil sie ohne Motivationsrhetorik auskommt.

Kurzer Hinweis vorweg, weil Transparenz für mich als Zahlenmensch dazugehört: Dieser Text enthält Affiliate-Links. Wenn Sie darüber einen Kurs buchen, bekomme ich eine Provision, ohne dass sich Ihr Preis ändert. Verlinkt sind ausschließlich Systeme, die ich über mehrere Monate selbst getestet und mit meinen eigenen Fortschrittsdaten abgeglichen habe.

Die Rechnung vor der Kaufentscheidung

Seit rund zwei Jahren vergleiche ich Online-Kurse fürs Gitarrelernen systematisch, mit Tabelle und allem, was man von jemandem erwarten kann, der beruflich Projekte plant. Norberg ist seit über elf Jahren auf dem Markt, und die Stornoquote liegt bei 0,44 Prozent — ein Wert, der mich als Projektleiter mehr überzeugt hat als jede Kundenstimme. Wenn kaum jemand einen Kurs zurückgibt, ist die Fehlerquote im System offenbar gering. Den norberg Gitarrenkurs habe ich deshalb vor allem wegen dieser Beständigkeit gebucht, nicht wegen eines cleveren Werbevideos.

Die Zahlen dahinter sind unspektakulär, aber genau das mag ich: 165 USD für den Kurs, dazu 20 Minuten Übung pro Tag in der ersten intensiven Phase, macht über 30 Tage 600 Minuten. Das ergibt etwa 0,27 USD pro Übungsminute, gegen die 45 Euro, die ein Gitarrenlehrer hier für eine Dreiviertelstunde nimmt, eine deutliche Rechnung. Norberg ist ein Einmalkauf ohne Abo-Logik, was den Vergleich einfacher macht als bei Kursen mit monatlicher Abbuchung; wer diese Gegenüberstellung ausführlicher braucht, findet sie in meinem Vergleich zu Gitarrenkurs Abo oder Einmalkauf. Wer zusätzlich Fortschritt pro Euro über mehrere Kurse hinweg gegenüberstellen will, kommt an einer ähnlichen Rechnung ohnehin nicht vorbei.

Nahaufnahme einer Hand beim Akkordgriff auf der Akustikgitarre im Online-Kurs für den Wiedereinstieg

Warum sind YouTube-Tutorials bei mir gescheitert?

Bevor ich bei Norberg gelandet bin, habe ich mich wochenlang durch YouTube-Tutorials geklickt, weil das nichts kostet und überall verfügbar ist. Genau das war das Problem: Jedes Video für sich war brauchbar, aber es gab keinen erkennbaren roten Faden zwischen Video eins und Video zwanzig. Mal ging es um Anschlagmuster, mal um Musiktheorie, mal um ein einzelnes Riff, ohne dass die Reihenfolge irgendeinen Sinn ergab. Nach einiger Zeit habe ich das Format komplett aufgegeben, weil mir als jemandem, der beruflich Abläufe strukturiert, die fehlende Systematik regelrecht körperlich wehgetan hat.

Eine Alternative in ähnlichem Preissegment ist der Michigit Gitarrenkurs, unterrichtet von einem in Deutschland bekannten Gitarren-YouTuber und mit Ratenzahlung, was für vorsichtige Einsteiger ein fairer Kompromiss sein kann. Ich habe mich trotzdem für Norberg entschieden, weil mir die niedrige Stornoquote wichtiger war als ein bekannter Name vor der Kamera. Zur Frage, wie lang einzelne Lektionen dort ausfallen, habe ich das in meinem Text über den Michigit Kurs und die Lektionslänge näher aufgeschlüsselt. Ob am Ende eine E-Gitarre oder eine akustische Gitarre besser zum Wiedereinstieg passt, ist übrigens eine eigene Abwägung, die mehr mit Lautstärke in der Wohnung zu tun hat als mit dem Kurs selbst.

In Woche fünf griff die linke Hand, ohne hinzusehen

In der fünften Woche fiel mir beim Wechsel zwischen zwei Akkorden auf, dass ich gar nicht mehr auf die Bünde schaute, sondern nur noch hörte, ob der Ton sauber kam. Die linke Hand fand die Saiten offenbar von allein, während mein Kopf längst beim nächsten Takt war. Das war kein spektakulärer Moment, eher eine stille Verschiebung, die mir erst beim zweiten oder dritten Mal richtig bewusst wurde.

Nach einer längeren Einheit mit reinen Griffwechseln merkt man das eher in der Hand als im Kopf: Die Greifhand fühlt sich danach an, als hätte sie eine Weile lang etwas zu fest festgehalten, ein leichtes Spannungsgefühl, das nach einer kurzen Pause aber genauso schnell wieder verschwindet, wie es gekommen ist.

Vor der Markthalle Hannover bin ich neulich einer Bekannten über den Weg gelaufen, die seit einiger Zeit einen VHS-Kurs für Aquarellmalerei besucht. Wir haben kurz verglichen, wie unterschiedlich Erwachsene neue Fertigkeiten aufbauen: bei ihr sind es feste Kurstermine mit Gruppe, bei mir ein Kurs, den ich mir selbst einteile. Beide Wege funktionieren, aber ich habe gemerkt, dass mir die freie Zeiteinteilung mehr entgegenkommt, weil sich mein Terminkalender ohnehin nicht nach einem festen Kurstag richten lässt.

Handschriftliches Übungsprotokoll mit Zeitangaben aus dem Online-Kurs zum Gitarre lernen

Fortschritt messen statt hoffen

Fortschritt lässt sich beim Gitarrelernen schlecht in Prozent ausdrücken, aber man kann ihn trotzdem greifbar machen, etwa über Übungsminuten pro Woche oder darüber, wie oft ein Stück fehlerfrei bis zum Ende kommt. Wie man das systematisch über einen längeren Zeitraum festhält, ist eigentlich ein Thema für sich, das ich an anderer Stelle ausführlicher behandelt habe. Wer vor der Kursentscheidung erst einmal unverbindlich reinschnuppern will, sollte ohnehin die Testphasen verschiedener Anbieter gegenüberstellen, bevor man sich festlegt. Auf klassisches Notenlesen habe ich bei alldem bewusst verzichtet, weil mir ein Weg ohne Noten für den Wiedereinstieg schneller Ergebnisse gebracht hat als der Umweg über Notenblätter.

Dazu kommt die reine Fingermotorik, die bei einem Wiedereinstieg jenseits der 40 offenbar länger braucht als mit 16, auch wenn sich das am Ende wieder einspielt. Ein Teil davon ist schlicht Ausrüstung: Ich hatte anfangs zu alte Saiten aufgezogen, was jeden Griffwechsel unnötig schwerer gemacht hat, als er sein müsste. Ein vernünftiges Setup für den Wiedereinstieg ist deshalb kein Luxus, sondern spart am Ende Übungszeit.

Gitarren-Setup für Erwachsene mit Akustik- und E-Gitarre beim Wiedereinstieg im Wohnzimmer

Für wen sich die Norberg Methode eignet

Norberg ist kein Kurs für alle, die sofort spektakuläre Ergebnisse erwarten. Er eignet sich für Menschen, die lieber mit klarer Struktur als mit Stimmung arbeiten und bereit sind, 20 Minuten am Tag stur in ein Fundament zu investieren. Die eigentliche Lektion, die bei mir über die Wochen hängen geblieben ist: Fortschritt beim Gitarrelernen entsteht seltener durch Motivation als durch ein System, das man auch an einem müden Dienstagabend noch durchzieht, egal ob gerade Lust da ist oder nicht.

Wer die eigene Excel-Rechnung gegen ein Griffbrett tauschen will, kann sich den Kurs hier direkt ansehen: Zum norberg Gitarrenkurs. Für mich war es die erste Investition in diese kleine Midlife-Krise mit sechs Saiten, die sich nach der eigenen Rechnung tatsächlich gelohnt hat.