Michigit Gitarrenkurs: Sind die Lektionen für ungeduldige Erwachsene zu lang?

Michigit Gitarrenkurs: Sind die Lektionen für ungeduldige Erwachsene zu lang?

Es war Ende November letzten Jahres, als ich den Gitarrenkoffer hinter den Winterreifen im Keller hervorzog. Der Geruch von altem Staub und trockenem Holz schlug mir entgegen, ein sensorisches Relikt meiner Teenagerzeit aus dem Jahr 1999. In meinem Heimbüro in Hannover saß ich vor dem Laptop, den Michigit Gitarrenkurs auf dem Bildschirm, und fragte mich, ob mein Gehirn als Projektleiter die Taktung dieses Kurses aushalten würde.

Transparenzhinweis: Einige Links in diesem Bericht sind Affiliate-Links. Wenn Sie darüber eine Buchung abschließen, erhalte ich eine Provision – für Sie entstehen keine Mehrkosten. Ich empfehle hier nur Kurse, die ich im Rahmen meines Projekts 'Wiedereinstieg' über Wochen selbst getestet habe. Mein Ziel ist eine nüchterne Bestandsaufnahme für Menschen, die lieber rechnen als träumen.

Die Taktung: Wenn das Projektmanagement auf YouTube-Stil trifft

Nach 25 Jahren Stille an den Saiten wollte ich keine Zeit verschwenden. Ich begann, meine professionellen Tracking-Methoden auf das Lernen anzuwenden. Michigit, geleitet von Stefan, den viele von YouTube kennen, verfolgt einen sehr nahbaren Ansatz. Doch genau hier stieß ich auf meine erste Hürde als ungeduldiger Erwachsener. Während ich ein 15-Minuten-Video sah, das drei verschiedene Schlagmuster ohne klare Pause behandelte, dachte ich unwillkürlich: 'Diese Lektion bräuchte eigentlich ein Gantt-Diagramm'.

Für jemanden, der in 30-Minuten-Zeitfenstern nach Feierabend denkt, ist die Länge einer Lektion entscheidend. Stefan ist ein exzellenter Lehrer mit einer ruhigen Art, aber die Videos sind teilweise sehr ausführlich. Das ist einerseits gut für das Verständnis, fordert aber die Disziplin, nicht vorzuspringen. Ich habe diesen Fehler gemacht: Ich versuchte, die 'Basics' zu überspringen, weil ich dachte, ich wüsste noch alles von früher. Das Ergebnis war ernüchternd. Ich scheiterte kläglich daran, einen sauberen G-Dur-Akkord zu greifen. Die Erkenntnis kam schnell – man kann die Projektphasen nicht abkürzen.

Nahaufnahme von Fingern auf Gitarrensaiten vor einem Laptop-Bildschirm.

Struktur vs. Freiheit: Der Vergleich mit Norberg und AndiT

Wenn man die Marktdaten betrachtet, zeigt sich, warum Beständigkeit zählt. Der norberg Gitarrenkurs ist beispielsweise seit 11,5 Jahren auf Digistore24 gelistet. Mit einer Stornoquote von nur 0,44 % scheint er eine Zielgruppe zu bedienen, die genau diese Sicherheit sucht. Im Vergleich dazu wirkt Michigit moderner, fast wie ein verlängerter Arm seines YouTube-Kanals. Er ist seit etwa 6 Jahren stabil am Markt, was für die Qualität spricht, auch wenn die Lektionen manchmal weniger modular wirken als bei rein digitalen Lernplattformen.

Wer weniger Zeit hat und schnell zu Songs kommen will, schaut oft auf den AndiTGitarre Nr.1 Kurs. Hier bekommt man 17 Lektionen mit insgesamt rund 8 Stunden Videomaterial. Das ist eine überschaubare Menge für ein Quartalsprojekt. Bei Michigit hingegen ist der Umfang deutlich größer, was bei ungeduldigen Lernern zu einem 'Stau' im Lernplan führen kann, wenn man nicht konsequent am Ball bleibt. Ich bemerkte nach den ersten 20 Minuten intensiven Greifens eine seltsame, lokalisierte Hitze in meinen linken Fingerspitzen – ein klares Signal meines Körpers, dass die Hardware noch nicht für die langen Sessions der Software bereit war.

Ein interessanter Aspekt bei Michigit ist die Option der Ratenzahlung. Für vorsichtige Einsteiger, die nicht sofort einen dreistelligen Betrag investieren wollen, senkt das die Eintrittshürde massiv. Es ist wie ein Pilotprojekt mit geringem Budgetrisiko. Wer jedoch maximale Struktur sucht, ist oft bei meineMusikschule E-Gitarre besser aufgehoben. Die dortige modulare Etappenstruktur erlaubt eine präzisere Fortschrittskontrolle, was mir als Projektleiter sehr entgegenkam.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung für ungeduldige Kalkulatoren

Ein wesentlicher Unterschied, den ich in meinen Excel-Tabellen festhalte, ist die Frage: Abo oder Einmalkauf? Michigit ist ein Einmalkauf. Man erwirbt das Recht, lebenslang auf die Inhalte zuzugreifen. Das ist psychologisch angenehm, birgt aber die Gefahr des 'Aufschiebens'. Bei einem Abo wie bei meineMusikschule zahlt man monatlich, was einen gewissen sanften Druck erzeugt, die 'Investition' auch zu nutzen.

Für meine eigene Entwicklung habe ich festgestellt, dass strukturierte Videolektionen eine schnellere technische Fortschrittskontrolle ermöglichen. Ein individueller Lehrer könnte zwar unmittelbares Feedback geben, aber die Lernautonomie, die ich nachts um 22 Uhr in Hannover brauche, bietet nur der Online-Kurs. Wenn Sie mehr über systematische Ansätze wissen wollen, lesen Sie auch meinen Vergleich zur Norberg Methode für analytische Lerner oder den Bericht über Gitarre lernen mit System.

Abschließend lässt sich sagen: Die Lektionen bei Michigit sind nicht per se 'zu lang', aber sie erfordern eine andere Art der Aufmerksamkeit als kurze, modulare Kurse. Wer die YouTube-Atmosphäre mag und gerne einem Lehrer zuhört, der sich Zeit nimmt, wird hier glücklich. Wer jedoch in strikten 15-Minuten-Sprints lernen will, muss sich die Videos selbst portionieren. Anfang März, nach etwa drei Monaten im Kurs, habe ich gelernt, die Pausentaste als mein wichtigstes Werkzeug zu akzeptieren. Es ist kein Sprint, es ist ein langfristiges Infrastrukturprojekt für die eigene Lebensqualität.

Falls Sie jetzt starten wollen, empfehle ich, sich die verschiedenen Konzepte genau anzusehen. Der Michigit Kurs bietet eine sehr persönliche Note, während der norberg Gitarrenkurs durch seine jahrzehntelange Optimierung besticht. Am Ende zählt nur, dass Sie die Gitarre nicht wieder für 25 Jahre im Keller verschwinden lassen.