Michigit Gitarrenkurs Kritik: Kann man damit wirklich in 12 Wochen Songs spielen?

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Michigit Gitarrenkurs Kritik: Kann man damit wirklich in 12 Wochen Songs spielen?

Es war ein Dienstagabend Mitte Januar 2026, als ich in meinem Keller in Hannover-List stand und den Koffer meiner alten Yamaha öffnete. Der Geruch von altem Staub und billigem Sperrholz stieg mir in die Nase – ein Aroma, das 25 Jahre Konservierung hinter sich hatte. Als Projektleiter bin ich es gewohnt, Vorhaben mit einer klaren Timeline und einem Budget zu planen. Mein Ziel war simpel: 12 Wochen Zeit, ein Budget von rund 130 Euro für den Michigit Gitarrenkurs und die Frage, ob man in diesem Zeitraum wirklich zum Musiker wird.

Bevor wir uns die nackten Zahlen meiner Excel-Tabelle ansehen, ein kurzer Transparenzhinweis: Einige Links auf dieser Seite sind Affiliate-Links. Wenn Sie darüber einen Kurs buchen, erhalte ich eine Provision – für Sie entstehen dabei absolut keine Mehrkosten. Ich empfehle hier nur Kurse, die ich selbst über Wochen hinweg systematisch getestet und in mein Übungs-Log eingetragen habe. Das ist für mich eine Frage der beruflichen Ehre, auch wenn es hier nur um ein Hobby geht.

Das Setup: Projekt Gitarre 2.0

Warum habe ich mich für Michigit entschieden? Bei meiner Marktsichtung Anfang des Jahres standen mehrere Optionen im Raum. Da war zum Beispiel das umfangreiche Abo-Modell von MeineMusikschule für eine monatliche Gebühr oder der eher analytische Ansatz beim norberg Gitarrenkurs. Michi, der durch seinen YouTube-Kanal eine enorme Vertrautheit ausstrahlt, bot seinen Kurs für einen Einmalpreis von etwa 127 Euro an. Für einen vorsichtigen Einsteiger wie mich war die Ratenzahlungsoption ein beruhigender Sicherheitsfaktor, auch wenn ich mich letztlich für die Einmalzahlung entschied, um die Zinskosten zu umgehen.

Meine Excel-Tabelle 'Projekt Gitarre 2.0' startete mit einer einfachen Kalkulation. Bei 30 Minuten täglicher Übungszeit über 7 Tage die Woche komme ich in 12 Wochen auf etwa 42 Gesamt-Übungsstunden. Bei einer Kursgebühr von 127 Euro ergibt das Kosten von rund 3,02 Euro pro Übungsstunde. Zum Vergleich: Eine Einzelstunde bei einem Lehrer hier in Hannover kostet mich zwischen 40 und 50 Euro. Der finanzielle Hebel war also bereits zum Startpunkt Mitte Januar offensichtlich.

Close-up of fingers pressing guitar strings with progress log in background

Woche 1 bis 6: Euphorie trifft auf Anatomie

Die ersten Wochen verliefen nach Plan. Michi führt einen sehr kleinteilig durch die ersten Griffe. Doch die Realität eines 47-Jährigen ist eine andere als die eines Teenagers. In der dritten Woche erlebte ich meinen ersten signifikanten Rückschlag. Ich versuchte, den G-Dur Griff blind zu greifen, landete aber mit dem Ringfinger im Leeren und riss fast die E-Saite ab. Es war ein Moment der Ernüchterung, der mich daran erinnerte, dass Feinmotorik im Alter von fast 50 Jahren kein Selbstläufer ist.

Die Hornhautbildung an den Fingerkuppen dauerte bei mir knapp drei Wochen, was gut im Schnitt der üblichen zwei bis drei Wochen für Erwachsene liegt. Ein wichtiger Tipp für alle, die diesen Weg gehen: Ignorieren Sie die Schmerzen nicht, aber bleiben Sie dran. Ich habe in dieser Phase oft im Kopf gerechnet: Wenn mich jede Übungsstunde 3 Euro kostet, darf ich mir heute keine Fehler beim Taktgefühl erlauben. Das klingt vielleicht unromantisch, aber diese projektbezogene Disziplin hat mich vor dem Abbruch bewahrt, den laut Statistik viele Online-Lerner in der Anfangsphase vollziehen.

Im Vergleich dazu bietet der Vergleich zwischen Michigit und Norberg interessante Einblicke für alle, die es noch langsamer angehen wollen. Während Michi auf YouTube-Dynamik setzt, wirkt Norberg fast schon wie eine meditative Sitzung. Für mich war Michis Tempo gerade noch machbar, aber ich verstehe jeden, der bei den ersten Akkordwechseln verzweifelt.

Die F-Dur Krise und der Metronom-Check

Ende Februar, in Woche 7 meines Plans, stagnierte meine Fortschrittskurve. Der Grund war der Klassiker: der F-Dur Akkord als Barre-Griff. Ich erinnere mich noch genau an das brennende Ziehen in der Fingerkuppe des Zeigefingers nach dem ersten Versuch, einen Barre-Griff für 'Lady in Black' zu halten. In diesem Moment schielte ich kurz rüber zum norberg Kurs, der für seinen besonders geduldigen Einstieg bekannt ist, und fragte mich, ob mein Daumenballen für Michis Tempo überhaupt bereit war.

Um die Objektivität zu wahren, nutzte ich ein digitales Metronom. Mein Ziel war es, Songs bei 80 BPM fehlerfrei zu spielen. Michis Versprechen, in 12 Wochen Songs zu spielen, ist marketingtechnisch geschickt formuliert. Ja, man spielt Songs, aber die Qualität der Darbietung hängt massiv von der investierten Zeit ab. Wer glaubt, mit 10 Minuten Klimpern pro Tag ans Ziel zu kommen, wird enttäuscht werden. Ich blieb bei meinen 30 Minuten und füllte gewissenhaft meine digitalen Log-Dateien aus.

Guitar accessories and metronome on a wooden desk

Das Abschluss-Audit: Zahlen, Daten, Fakten

Anfang April endete mein 12-Wochen-Test. Zeit für eine Bilanz. Hier sind die harten Fakten aus meiner Auswertung:

Es sind keine 12 Songs geworden, wie mancher vielleicht hofft, wenn er das Wort 'Wochen' liest. Aber 5 Songs, die ich flüssig am Lagerfeuer oder vor meiner Frau präsentieren kann, sind für mich ein akzeptabler ROI. Zum Vergleich: Der AndiT Gitarrenkurs bietet zwar über 40 Songs an, aber die Tiefe der Vermittlung bei Michigit schien mir für den absoluten Nullpunkt-Einstieg solider, da er weniger voraussetzt.

Die Kehrseite der Medaille: Struktur vs. Freiheit

Ein Punkt, den ich in meinem Audit festhalten muss, ist die Trade-off-Analyse zwischen Struktur und Flexibilität. Die strukturierte Führung durch den Michigit Kurs verkürzt zwar die Lernzeit massiv, führt jedoch zu einer geringeren improvisatorischen Flexibilität. Ich kann diese 5 Songs spielen, aber sobald ich versuche, davon abzuweichen oder eine eigene Melodie zu entwickeln, merke ich, dass ich eher ein 'Malen-nach-Zahlen'-Gitarrist geworden bin.

Wer tiefer in die Harmonielehre einsteigen will, könnte bei MeineMusikschule langfristig besser aufgehoben sein, da dort die modulare Struktur mehr Raum für theoretisches Verständnis lässt. Das ist wie bei einer Software-Einführung: Man kann den Quick-Start-Guide nutzen oder das 500-seitige Handbuch lesen. Michi ist der Quick-Start-Guide.

Dennoch: Für jemanden, der nach 25 Jahren die Gitarre aus dem Keller holt und einfach nur schnelle Erfolgserlebnisse sehen will, ist das System hocheffizient. Es ist wie ein gut geführtes Projekt: Man hält sich an den Plan und liefert am Ende ein funktionierendes Produkt ab – in diesem Fall eben Musik statt einer Excel-Tabelle.

Fazit eines Projektleiters

Kann man mit Michigit in 12 Wochen Songs spielen? Die Antwort ist ein klares Ja, sofern man die Disziplin für tägliche Einheiten mitbringt. Wer eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufmacht, landet bei etwa 3 Euro pro Stunde, was für die Qualität des Videomaterials absolut fair ist. Es ist kein magischer Prozess, sondern schlichte Arbeit an den Saiten. Wenn Sie nach einer klaren Struktur suchen und nicht in der Flut an kostenlosen YouTube-Videos untergehen wollen, ist dieser Kurs eine solide Investition.

Falls Sie unsicher sind, ob Sie eher der akustische Typ sind oder doch lieber elektrisch durchstarten wollen, lesen Sie meinen Artikel über E-Gitarre oder Akustikgitarre beim Wiedereinstieg. Dort schlüssele ich die Hardware-Anforderungen noch einmal getrennt auf.

Mein Projekt 'Gitarre 2.0' ist hiermit offiziell in die Betriebsphase übergegangen. Die Excel-Tabelle bleibt geöffnet, denn die nächsten 5 Songs warten bereits. Meine Frau hat sich übrigens schon an das abendliche Geklimper gewöhnt – ein wichtiger Meilenstein in jeder Hobby-Karriere.