Michigit Gitarrenkurs Kritik: Kann man damit wirklich in 12 Wochen Songs spielen?

Michigit Gitarrenkurs Kritik: Kann man damit wirklich in 12 Wochen Songs spielen?

Es war der 12. Januar 2026, als ich in meinem Keller in Hannover-List stand und den Koffer meiner alten Yamaha öffnete. Der Geruch von altem Staub und billigem Sperrholz stieg mir in die Nase – ein Aroma, das 25 Jahre Konservierung hinter sich hatte. Als Projektleiter bin ich es gewohnt, Vorhaben mit einer klaren Timeline und einem Budget zu planen. Mein Ziel war simpel: 12 Wochen Zeit, ein Budget von 127 Euro für den Michigit Gitarrenkurs und die Frage, ob man in diesem Zeitraum wirklich zum Musiker wird.

Bevor wir uns die nackten Zahlen meiner Excel-Tabelle ansehen, ein kurzer Transparenzhinweis: Einige Links in diesem Text sind Affiliate-Links. Wenn Sie darüber einen Kurs buchen, erhalte ich eine Provision – für Sie entstehen dabei absolut keine Mehrkosten. Ich empfehle hier nur Kurse, die ich selbst über Wochen hinweg systematisch getestet und in mein Übungs-Log eingetragen habe.

Das Setup: Projekt Gitarre 2.0

Warum habe ich mich für Michigit entschieden? Bei meiner Marktsichtung Ende 2024 standen mehrere Optionen im Raum. Da war zum Beispiel das umfangreiche Abo-Modell von meineMusikschule für rund 253 Euro im Jahr oder der eher analytische Ansatz beim norberg Gitarrenkurs für etwa 165 Euro. Michi, der durch seinen YouTube-Kanal eine enorme Vertrautheit ausstrahlt, bot seinen Kurs für einen Einmalpreis von 127 Euro an. Für einen vorsichtigen Einsteiger wie mich war die Ratenzahlungsoption ein beruhigender Sicherheitsfaktor, auch wenn ich mich letztlich für die Einmalzahlung entschied, um die Zinskosten zu umgehen.

Meine Excel-Tabelle 'Projekt Gitarre 2.0' startete mit einer einfachen Kalkulation. Bei 30 Minuten täglicher Übungszeit über 7 Tage die Woche komme ich in 12 Wochen auf exakt 42 Gesamt-Übungsstunden. Bei einer Kursgebühr von 127 Euro ergibt das Kosten von 3,02 Euro pro Übungsstunde. Zum Vergleich: Eine Einzelstunde bei einem Lehrer hier in Hannover kostet mich zwischen 40 und 50 Euro. Der finanzielle Hebel war also bereits zum Startpunkt am 12. Januar 2026 offensichtlich.

Woche 1 bis 6: Euphorie trifft auf Anatomie

Die ersten Wochen verliefen nach Plan. Michi führt einen sehr kleinteilig durch die ersten Griffe. Doch die Realität eines 47-Jährigen ist eine andere als die eines Teenagers. In Woche 3 erlebte ich meinen ersten signifikanten Rückschlag. Ich versuchte, den G-Dur Griff blind zu greifen, landete aber mit dem Ringfinger im Leeren und riss fast die E-Saite ab. Es war ein Moment der Ernüchterung, der mich daran erinnerte, dass Feinmotorik im Alter von fast 50 Jahren kein Selbstläufer ist.

Die Hornhautbildung an den Fingerkuppen dauerte bei mir exakt 19 Tage, was gut im Schnitt der üblichen 14 bis 21 Tage für Erwachsene liegt. Ein wichtiger Tipp für alle, die diesen Weg gehen: Ignorieren Sie die Schmerzen nicht, aber bleiben Sie dran. Ich habe in dieser Phase oft im Kopf gerechnet: Wenn mich jede Übungsstunde 3 Euro kostet, darf ich mir heute keine Fehler beim Taktgefühl erlauben. Das klingt vielleicht unromantisch, aber diese projektbezogene Disziplin hat mich vor dem Abbruch bewahrt, den laut Statistik über 70% der Online-Lerner in den ersten zwei Monaten vollziehen.

Die F-Dur Krise und der Metronom-Check

Am 23. Februar 2026, in Woche 7 meines Plans, stagnierte meine Fortschrittskurve. Der Grund war der Klassiker: der F-Dur Akkord als Barre-Griff. Ich erinnere mich noch genau an das brennende Ziehen in der Fingerkuppe des Zeigefingers nach dem ersten Versuch, einen Barre-Griff für 'Lady in Black' zu halten. In diesem Moment schielte ich kurz rüber zum norberg Kurs, der für seinen besonders geduldigen Einstieg bekannt ist, und fragte mich, ob mein Daumenballen für Michis Tempo überhaupt bereit war.

Um die Objektivität zu wahren, nutzte ich ein digitales Metronom. Mein Ziel war es, Songs bei 80 BPM fehlerfrei zu spielen. Michis Versprechen, in 12 Wochen Songs zu spielen, ist marketingtechnisch geschickt formuliert. Ja, man spielt Songs, aber die Qualität der Darbietung hängt massiv von der investierten Zeit ab. Wer glaubt, mit 10 Minuten Klimpern pro Tag ans Ziel zu kommen, wird enttäuscht werden. Ich blieb bei meinen 30 Minuten und füllte gewissenhaft die Excel-Zelle B84 aus.

Das Abschluss-Audit: Zahlen, Daten, Fakten

Am 6. April 2026 endete mein 12-Wochen-Test. Zeit für eine Bilanz. Hier sind die harten Fakten aus meiner Auswertung:

Es sind keine 12 Songs geworden, wie mancher vielleicht hofft, wenn er das Wort 'Wochen' liest. Aber 5 Songs, die ich flüssig am Lagerfeuer oder vor meiner Frau präsentieren kann, sind für mich ein akzeptabler ROI. Zum Vergleich: Der AndiTGitarre Kurs bietet zwar über 40 Songs an, aber die Tiefe der Vermittlung bei Michigit schien mir für den absoluten Nullpunkt-Einstieg solider.

Die Kehrseite der Medaille: Struktur vs. Freiheit

Ein Punkt, den ich in meinem Audit festhalten muss, ist die Trade-off-Analyse zwischen Struktur und Flexibilität. Die strukturierte Führung durch den Michigit Kurs verkürzt zwar die Lernzeit massiv, führt jedoch zu einer geringeren improvisatorischen Flexibilität. Ich kann diese 5 Songs spielen, aber sobald ich versuche, davon abzuweichen oder eine eigene Melodie zu entwickeln, merke ich, dass ich eher ein 'Malen-nach-Zahlen'-Gitarrist geworden bin. Wer tiefer in die Harmonielehre einsteigen will, könnte bei meineMusikschule langfristig besser aufgehoben sein, da dort die modulare Struktur mehr Raum für theoretisches Verständnis lässt.

Dennoch: Für jemanden, der nach 25 Jahren die Gitarre aus dem Keller holt und einfach nur schnelle Erfolgserlebnisse sehen will, ist das System hocheffizient. Es ist wie ein gut geführtes Projekt: Man hält sich an den Plan und liefert am Ende ein funktionierendes Produkt ab – in diesem Fall eben Musik.

Fazit eines Projektleiters

Kann man mit Michigit in 12 Wochen Songs spielen? Die Antwort ist ein klares Ja, sofern man die Disziplin für tägliche Einheiten mitbringt. Wer eine Kosten-Nutzen-Rechnung aufmacht, landet bei etwa 3 Euro pro Stunde, was für die Qualität des Videomaterials absolut fair ist. Es ist kein magischer Prozess, sondern schlichte Arbeit an den Saiten. Wenn Sie nach einer klaren Struktur suchen und nicht in der Flut an kostenlosen YouTube-Videos untergehen wollen, ist dieser Kurs eine solide Investition.

Weitere Details zu den Kostenstrukturen finden Sie auch in meinem Online Gitarrenkurs Vergleich. Und falls Sie noch gar kein Instrument haben, empfehle ich meinen Guide zum Thema E-Gitarre Set für Anfänger.

Mein Projekt 'Gitarre 2.0' ist hiermit offiziell in die Betriebsphase übergegangen. Die Excel-Tabelle bleibt geöffnet, denn die nächsten 5 Songs warten bereits.