Zubehör für Online Gitarrenkurse: Was erwachsene Anfänger für den Start brauchen

Gitarrenzubehör für Online-Gitarrenkurse: was erwachsene Einsteiger beim Wiedereinstieg brauchen

Ein 99-Euro-Einsteigerset und eine gebrauchte Mittelklasse-Gitarre für das Dreifache kosten unterschiedlich viel und wirken zunächst wie zwei Wege zum selben Ziel – aber nur einer der beiden bleibt nach den ersten Kursmodulen noch angenehm zu spielen. Genau dort beginnt die Frage nach dem richtigen Gitarrenzubehör für Online-Gitarrenkurse, und genau dort zahlt sich die Projektleiter-Methode aus: erst rechnen, dann kaufen. Als Einsteiger braucht man kein komplettes Studio-Equipment, sondern eine kleine, gezielt zusammengestellte Ausstattung, die das Lernen online nicht ausbremst – meine Art, eine Midlife-Krise in eine ordentliche Kostenkalkulation zu verwandeln, hat wenigstens den Vorteil, dass sie sich sauber in einer Tabelle abbilden lässt. Die folgenden Abschnitte beantworten die Fragen, die mir dazu am häufigsten gestellt werden, von Kollegen ebenso wie von Lesern, die selbst über einen Wiedereinstieg nachdenken.

Muss es eine neue Gitarre sein, oder reicht die alte aus dem Keller?

Meine alte Gitarre aus den Neunzigern lag 25 Jahre in einem Koffer, mit korrodierten Saiten und trockenem Holz. Ein Blick auf die Standard-Mensur genügte, um zu sehen, dass die Kopie zumindest solide gebaut war: 648 mm, wie bei den meisten Instrumenten dieser Preisklasse. Trotzdem entschied ich mich gegen eine Reparatur der alten Gitarre und für ein gebrauchtes, ordentlich eingestelltes Mittelklasse-Instrument – der Unterschied in der Saitenlage war den Aufpreis wert. Ob am Ende eine E-Gitarre oder eine Akustikgitarre die bessere Wahl für den Wiedereinstieg ist, ist eine andere Rechnung, die an anderer Stelle ausführlicher behandelt wird.

Inzwischen finden meine Finger die Bünde auf dem Griffbrett, ohne dass ich die linke Hand dabei ansehen muss, und das hat weniger mit Talent zu tun als mit einer Saitenlage, die von Anfang an stimmte. Ein schlecht eingestelltes Instrument bremst genau diesen Automatismus aus, egal wie gut der Online-Kurs aufgebaut ist.

Clip-On-Stimmgerät als Gitarrenzubehör für den Online-Kurs, Anzeige bei 440 Hz.

Das Einsteiger-Set: der teuerste Fehler beim Start

Ein komplettes Einsteigerset für 99 Euro wirkt in der Kalkulation zunächst verlockend, weil Gitarre, Stimmgerät und Gigbag in einem Paket stecken. Das Problem liegt in der Saitenlage dieser Instrumente, die bei Erwachsenen ohne die belastbaren Fingerkuppen eines Teenagers schnell zu Schmerz und Abbruch führt. Wie stark das ins Gewicht fällt, habe ich in Gitarre lernen mit steifen Fingern: Tipps für den späten Wiedereinstieg genauer aufgeschrieben. Wer mit steifen Fingern in den Kurs startet, sollte an dieser Stelle nicht sparen, denn die Fingerfertigkeit baut sich beim Wiedereinstieg ohnehin langsamer auf als bei einem Zwölfjährigen – auch das ist ein eigenes Thema für sich.

Welches Stimmgerät passt zum Online-Kurs?

Direkt am Kopf der Gitarre sitzt ein Clip-On-Tuner, der in einer Wohnung mit Hintergrundgeräuschen zuverlässiger funktioniert als eine Mikrofon-App auf dem Smartphone. Referenzpunkt ist der Kammerton A bei 440 Hz, an dem sich auch die Begleit-Tracks der meisten Online-Kurse orientieren. Weicht die Gitarre davon ab, klingt jede Übung im Kurs leicht schief, selbst wenn die Griffe stimmen. Für mich ist das Stimmgerät zudem das einfachste Werkzeug, um Fortschritt objektiv zu prüfen, statt sich nur auf das eigene Gehör zu verlassen, das nach Jahrzehnten Pause nicht mehr kalibriert ist.

Kapodaster und die anderen Kleinteile fürs Regal

Ein Kapodaster transponiert Songs in eine singbare Tonart, ohne dass man neue Griffbilder lernen muss – viele Online-Kurse setzen ihn schon in den ersten Modulen ein. Ein solides Modell aus Metall kostet etwa 20 Euro und hält vermutlich länger als der Kurs selbst. Dazu kommen ein Satz mittelstarker Plektren, die sich für Strumming genauso eignen wie für einzelne Töne, sowie ein einfaches 3-in-1-Werkzeug für den Saitenwechsel, das eine Kurbel, einen Seitenschneider und einen Pin-Abheber kombiniert. Rechnet man diese Kleinteile zusammen, landet man bei einmaligen Kosten von 50 bis 70 Euro, die sich über das erste Jahr auf weniger als 6 Euro pro Monat verteilen.

Gitarrenzubehör für Einsteiger: Kapodaster, Plektren und Saitenkurbel auf einem Holztisch.

Digitales oder mechanisches Metronom?

Für die Rhythmusarbeit nutze ich meistens das digitale Metronom in der Kurs-App, weil es ohnehin schon läuft. Daneben besitze ich ein altes mechanisches Modell mit einem pendelnden Arm, dessen Bewegung mir beim Timing seltsamerweise mehr hilft als das digitale Klicken – ein Tempo, das ich als Wiedereinsteiger ohnehin nie ausreizen werde. Meine eigenen Übungen bewegen sich meist zwischen 60 und 80 BPM, deutlich unter dem, was das alte Gerät technisch hergeben würde. Wie sich solche Werkzeuge sinnvoll in den Alltag einbauen lassen, habe ich in Gitarre lernen nach langer Pause: Was Wiedereinsteiger wirklich brauchen beschrieben.

Braucht man wirklich eine Tablet-Halterung?

Wer die Tabulaturen während des Online-Kurses auf einem Tablet oder Laptop liest, verrenkt sich ohne Halterung schnell den Nacken. Ich habe rund 30 Euro in einen Schwanenhals-Halter investiert, der am Schreibtisch befestigt ist und eine aufrechte Sitzhaltung erlaubt. Gerade wenn die Zeit zum Üben ohnehin knapp bemessen ist, weil der Job den Tag füllt, will man diese Minuten nicht mit Nackenschmerzen verschwenden. Wer seine Fortschritte ähnlich genau verfolgt, findet dazu mehr in meinem Excel-Report nach 6 Monaten Wiedereinstieg.

Tablet-Halterung als praktisches Zubehör fürs Online-Lernen neben der Gitarre.

Was bei mir nicht funktioniert hat

Bevor ich auf Online-Kurse umgestiegen bin, habe ich einen VHS-Gitarrenkurs für Erwachsene besucht. Das Problem war nicht die Qualität des Unterrichts, sondern das Tempo der Gruppe: Bei sehr unterschiedlichen Niveaus im selben Raum blieb wenig Spielraum, um im eigenen Rhythmus zu üben, und ich saß öfter wartend da, als mir lieb war. Ein Video-Kurs lässt sich pausieren, wiederholen und beschleunigen, wie es gerade passt, während persönliche Betreuung in der Gruppe eben auch bedeutet, sich dem Tempo der anderen anzupassen. Beides hat seinen Platz, aber für meinen Kalender war die zweite Variante am Ende die praktikablere.

Was das Ganze am Ende kostet

Legt man die gebrauchte Gitarre und das gesamte Zubehör zusammen, liegt die Startinvestition insgesamt unter dem, was ein Jahr Fitnessstudio-Beitrag kostet – nur dass die Ausrüstung danach dauerhaft vorhanden ist, statt monatlich abgebucht zu werden. Der laufende Kurs selbst schlägt je nach Anbieter mit etwa 15 bis 20 Euro im Monat zu Buche, und ob sich ein Abo oder ein Einmalkauf mehr lohnt, hängt stark davon ab, wie lange man tatsächlich drangeblieben ist – dazu rechne ich in einem separaten Beitrag genauer vor. Kostenlose Testphasen helfen bei der Entscheidung, sollten aber nicht der einzige Maßstab sein, denn ein Kurs, der nach zwei Wochen Testzugang überzeugt, muss nach sechs Monaten noch lange nicht die beste Fortschritt-pro-Euro-Bilanz liefern.

Meinem Kollegen Stephan Brückmann habe ich das neulich in der Markthalle Hannover erklärt, bei einem schnellen Mittagessen zwischen zwei Terminen. Von Musik versteht er nichts, aber meine Kostenaufstellung pro Position leuchtete ihm sofort ein – Tabellen verstehen offenbar auch Nicht-Musiker. Ähnlich genau wollte es kürzlich ein Leser aus dem Forum wissen: Günter Raake fragte in einer Nachricht auf den Euro genau nach, wie sich Einmalkosten für Zubehör und laufende Kosten für den Kurs verteilen. Wer eine vollständige Setup-Checkliste für den Wiedereinstieg sucht, findet dazu an anderer Stelle mehr; hier zählt vor allem, dass das Zubehör am Ende nicht mehr kostet als nötig, aber auch nicht so wenig, dass es beim Lernen im Weg steht. Bevor ein langfristiges Abonnement unterschrieben wird, lohnt sich ohnehin ein Blick auf Gitarrenkurs Kosten und Abomodelle im Vergleich.