Motivationslöcher beim Gitarre üben überwinden: Tipps für berufstätige Väter

Gitarre lernen für berufstätige Väter: Motivationstipps gegen den inneren Schweinehund

Ein Kollege packt jeden Mittwochabend sein Aquarell-Set für den Kurs an der Volkshochschule, ich packe meine Gitarre bestenfalls freitags aus – und trotzdem falle ich seltener aus als er. Klingt paradox, wenn man bedenkt, dass sein Kurs einen festen Termin, eine Gruppe und einen Dozenten hat, während mein Gitarre lernen zu Hause komplett in Eigenregie läuft. Genau darin liegt aber die Antwort auf die Frage, die mir andere berufstätige Väter am häufigsten stellen: wie man Motivationslöcher übersteht, ohne dass am Ende ein Instrument im Schrank verstaubt. Meine Online-Kurs-Erfahrung der letzten Zeit läuft auf einen Schluss hinaus, der wenig mit Disziplin und viel mit Terminstruktur zu tun hat.

Der Unterschied zwischen seinem Kurs und meinem Übungsalltag lässt sich auf zwei Modelle herunterbrechen: feste, extern getaktete Termine gegen flexible, selbstgesteuerte Kurzeinheiten. Sein Aquarell-Abend hat einen Anfang, ein Ende und eine Gruppe, die merkt, wenn er fehlt. Mein Kurs hat keinen Dozenten, der mich vermisst, dafür aber auch keine Uhrzeit, die mit einem Elternabend oder einer Nachtschicht im Büro kollidieren kann. Für die Wahl zwischen beiden Modellen zählt vor allem das Zeitbudget, das ein berufstätiger Vater tatsächlich hat – und das schwankt bei mir von Woche zu Woche stärker, als es jeder Kursanbieter in seinem Musterwochenplan vorsieht.

Warum funktionieren starre Zeitblöcke bei berufstätigen Vätern nicht?

Am Anfang habe ich es mit festen 60-Minuten-Terminen versucht, fast wie einen Meeting-Slot im Kalender – mein Projektleiter-Ich fand das bestechend logisch, mein Midlife-Ich hat es zuverlässig sabotiert. Sobald ein Projekt im Job eskalierte oder abends noch etwas mit den Kindern anstand, fiel der Termin komplett aus – kein Nachholen, kein Kompromiss, einfach nichts. Bevor ich auf einen strukturierten Kurs umgestiegen bin, habe ich mich eine Weile durch YouTube-Tutorials geklickt, die einzeln betrachtet brauchbar wirkten, aber ohne erkennbaren roten Faden aufeinanderfolgten. Irgendwann wusste ich nicht mehr, welches Video als Nächstes dran war, und genau das hat mich ausgebremst – nicht die fehlende Zeit, sondern die fehlende Reihenfolge. Ein Format mit klarer Videoreihenfolge und regelmäßiger Rückmeldung zum eigenen Fortschritt hätte mir dort vermutlich mehr geholfen als das freie Durchklicken einzelner Clips.

Verstaubter Gitarrenkoffer als Sinnbild für Motivationslöcher beim Gitarre lernen

Die Tabulatur als Abkürzung für den Wiedereinstieg

Wichtig war für mich, die Hürden für den Wiedereinstieg so gering wie möglich zu halten. Viele Kurse arbeiten mit einer Tabulatur statt mit klassischen Noten, was den Griff auf die sechs Saiten deutlich anschaulicher macht als jede Notenzeile. Wie man solche Hürden zusätzlich senkt, habe ich in einem anderen Text zum Gitarre lernen für Anfänger ab 40 zusammengefasst. Ob man dabei überhaupt Noten lernen will oder komplett darauf verzichtet, ist letztlich eine persönliche Entscheidung, die den Einstieg spürbar leichter oder schwerer macht, je nachdem, wie man sie trifft.

Fünf Minuten schlagen die erzwungene Stunde

Die Alternative zum starren Block war radikal einfach: keine feste Uhrzeit mehr, sondern ein Minimalziel, das ich fast immer schaffe. Fünf Minuten Fingerübungen, während die Nudeln kochen, zählen genauso wie eine halbe Stunde am Wochenende. Der Moment, der mir gezeigt hat, dass diese kleinen Einheiten tatsächlich etwas bringen, kam an einem ganz gewöhnlichen Abend: Der G-Dur-Akkord klang plötzlich ohne das übliche Schnarren an der tiefen Saite, und ich habe den Griff sicherheitshalber gleich mehrmals wiederholt, um zu prüfen, ob das kein Zufall war. Die Fingerfertigkeit kommt bei Wiedereinsteigern nicht linear zurück, sondern in solchen kleinen Sprüngen – ein Grund mehr, kurze, regelmäßige Einheiten den seltenen Marathon-Sessions vorzuziehen. Wenn ich den Koffer aufklappe, liegt in der Seitentasche noch ein alter Harzblock aus meiner kurzen Teenager-Phase mit der Gitarre, dessen Geruch beim Öffnen sofort da ist, obwohl ich ihn seit Jahrzehnten nicht mehr angefasst habe.

Finger auf den Gitarrensaiten – Fingerfertigkeit nach der Übungspause zurückgewinnen

Strategisches Auslassen ist kein Scheitern

Beim Joggen in der Eilenriede habe ich das gleiche Prinzip längst verinnerlicht: eine ausgelassene Runde ist kein Rückschlag, mehrere ausgelassene Wochen dagegen schon. Bei der Gitarre gilt dieselbe Rechnung. Ein ausgelassener Tag, weil im Büro alles brennt, ist keine Katastrophe – erst wenn daraus ein Muster wird, muss ich gegensteuern, ähnlich wie bei einem Fitnessstudio-Abo, das sich nur lohnt, wenn man auch tatsächlich hingeht. In manchen Wochen habe ich nur Übungen zum Quintenzirkel theoretisch am Laptop verfolgt, ohne die Gitarre überhaupt in die Hand zu nehmen. Das hielt das Interesse wach, ohne die knappe Energie am Abend zusätzlich zu beanspruchen. Anbieter wie der Norberg Gitarrenkurs Methodik setzen bewusst auf solche kleinen, in sich abgeschlossenen Lerneinheiten, die sich auch an einem stressigen Abend noch unterbringen lassen.

Entscheidungen, die schon vor der ersten Übungseinheit fallen

Bevor die erste Kurzeinheit überhaupt möglich war, standen ein paar Grundsatzfragen im Raum, die mit Motivation eigentlich noch gar nichts zu tun hatten. Ob ein Abo oder ein einmaliger Kurskauf sinnvoller ist, hängt stark davon ab, wie sicher man sich ist, wirklich dranzubleiben – ich habe mich für ein Abo mit kurzer Kündigungsfrist entschieden, weil ich meiner eigenen Motivation zu dem Zeitpunkt noch nicht getraut habe. Die Frage, ob es eine E- oder eine Akustikgitarre sein soll, klärt sich bei den meisten Wiedereinsteigern ohnehin über das Instrument, das schon im Haus steht. Kostenlose Testphasen lohnen sich trotzdem, um verschiedene Anbieter im direkten Vergleich zu erleben, bevor man sich festlegt. Auch das Setup – Kopfhörer, ein Stimmgerät, ein Notenständer, der nicht bei jeder Bewegung umkippt – lässt sich in dieser Phase klären, ohne dass es die eigentliche Übungszeit frisst.

Gitarrenzubehör auf dem Wohnzimmertisch als Teil der flexiblen Übungsroutine

Fazit: Wann sind feste Termine sinnvoller als flexible Kurzeinheiten?

Wenn ich Kursgebühren und Zubehör der letzten Zeit zusammenzähle, lande ich bei einem niedrigen zweistelligen Betrag pro Monat – ein Wert, den ich mir bewusst notiere, weil er die Grundlage für die nächste Abo-Entscheidung liefert. Fortschritt messe ich inzwischen nicht mehr über feste Zeiträume, sondern daran, ob ein Stück beim zweiten Versuch schon runder klingt als beim ersten. Für Kollegen, deren Wochenplan tatsächlich stabil ist, würde ich zum festen Termin mit Gruppe raten, so wie es mein Aquarell-malender Kollege macht – die Verbindlichkeit von außen ersetzt dort, was man sich alleine nur schwer selbst schafft. Wer dagegen wie die meisten berufstätigen Väter nie sicher weiß, ob der Abend frei bleibt, kommt mit flexiblen Kurzeinheiten und der Erlaubnis, auch mal auszusetzen, deutlich weiter. Technische Probleme wie Latenz beim Online-Gitarrenkurs sollte man dabei trotzdem im Griff haben, sonst wird selbst die kürzeste Einheit zur Geduldsprobe. Für mich ist die Gitarre heute kein Projekt mehr, das ich abschließen muss, sondern ein Begleiter, der auch mal ein paar Tage ignoriert werden darf, ohne dass das große Ganze gefährdet ist.