Online-Gitarrenkurse im Effizienz-Check: Mein Excel-Report nach 6 Monaten Wiedereinstieg

Aktualisiert

Meine Kostenanalyse nach sechs Monaten Wiedereinstieg

Der Klick des Metronoms tickt stur seinen Takt, während meine linke Hand zum dritten Mal aus dem G-Dur-Griff rutscht, weil der Ringfinger die hohe E-Saite dämpft. Noch einmal ansetzen, noch einmal die Fingerspitzen korrigieren, noch einmal das Schaben der Plektrumspitze über die Wicklung der tiefen E-Saite, bis der Akkord sauber steht, ohne Schnarren. Für einen Wiedereinsteiger, der sein Instrument fast ein Vierteljahrhundert im Keller gelassen hat, ist stures Wiederholen eine ungewohnte Disziplin – als Projektleiter bin ich es gewohnt, Probleme mit einem Zeitplan zu lösen, nicht mit zehn identischen Handgriffen hintereinander.

Diese Szene aus der vierten Woche meines Comebacks steht sinnbildlich für das, was ich in den folgenden Monaten in einer Excel-Tabelle festgehalten habe: Kosten, Übungsminuten und ein subjektiver Fortschrittswert von 1 bis 10, notiert nach jeder Session an meinem Schreibtisch im Südstadt-Viertel, zwischen zwei Monitoren, dem aufgeklappten Kursordner und der schwarzen Yamaha Pacifica, die seither in Reichweite neben dem Schreibtisch steht.

Über sechs Monate kamen so rund 220 Euro zusammen, verteilt auf verschiedene Kursformate und Abonnements, bei etwa 140 dokumentierten Übungseinheiten – macht ungefähr 1,57 Euro pro Session. Zum Vergleich: Eine einzelne Stunde bei einem Lehrer vor Ort schlägt mit etwa 40 Euro zu Buche, hochgerechnet auf einen wöchentlichen Rhythmus landet man schnell bei den bekannten 160 Euro im Monat. Als jemand, der beruflich Budgets freigibt, kann ich diese Gegenüberstellung nicht ignorieren, auch wenn Übungsminuten am Bildschirm keinen Lehrer aus Fleisch und Blut ersetzen. Bezahlt habe ich fast ausschließlich über E-Commerce-Plattformen, was mir als vorsichtigem Konsumenten wenigstens die Sicherheit gibt, dass Abbuchungen im Zweifel nachvollziehbar bleiben.

Was nicht funktionierte

Nicht jede Entscheidung in diesen sechs Monaten war klug. Eine Gitarren-Lern-App auf dem Smartphone flog schon nach drei Wochen wieder vom Homescreen, weil die winzigen Griffdiagramme auf dem Display mehr Frust als Fortschritt brachten. Ein zweiter Fehlgriff saß tiefer: Weil ich aus dem kurzen Teenager-Kapitel noch ein paar Akkordnamen im Kopf hatte, startete ich in einem Kurs direkt im Modul für Fortgeschrittene – und wunderte mich acht Wochen lang, warum meine Finger dem Tempo nicht folgen wollten, bis ich zurück ins Einsteiger-Modul wechselte und dort noch einmal bei null anfing. Die acht verlorenen Wochen stehen in meiner Tabelle bis heute als eigene Zeile, nur damit ich sie nicht vergesse.

Auch beim Instrument selbst habe ich Lehrgeld gezahlt. Neben der alten Westerngitarre aus dem Keller besorgte ich mir früh eine zusätzliche, sehr günstige Gitarre für unterwegs, deren Saitenlage so hoch über dem Griffbrett stand, dass jeder Barré-Versuch in den Fingerkuppen brannte. Wochenlang hielt ich das für ein Problem meiner Technik, bis ein Blick ins Forum klarmachte, dass die Mechanik schlicht nie richtig eingestellt worden war. Erst nach einer ordentlichen Justierung wurde aus der Übung wieder eine Übung und kein Kampf mehr gegen das Werkzeug.

Dass die Feinmotorik der Finger mit Mitte 40 anders reagiert als mit 17, ist ein eigenes Thema, das an anderer Stelle ausführlicher behandelt gehört.

Die Plateau-Wochen zwischen Fortschrittswert 7 und 3

Ein paar Monate nach diesem holprigen Start kam die eigentliche Krise. Der anfängliche Schub der ersten Akkorde war verflogen, und mein Logbuch zeigt für mehrere Wochen einen Einbruch der Übungsfrequenz auf gerade einmal zwei Einheiten pro Woche, weil Arbeit und Alltag dazwischenfunkten. Der subjektive Fortschrittswert rutschte in dieser Phase von einer soliden 7 auf eine ernüchternde 3, ohne dass sich an meinem Talent irgendetwas geändert hätte – es war schlicht zu wenig Übungszeit, verteilt auf zu unregelmäßige Tage. Mein Kollege Stephan Brückmann, mit dem ich seit Jahren im selben Projektteam sitze, fragte in dieser Zeit bei fast jedem Kaffee automatisch nach dem aktuellen Stand, was mir mehr als einmal peinlich war, wenn die ehrliche Antwort nur „stagniert" lautete.

Umgestellt habe ich die Strategie erst, als ich die Zahlen schwarz auf weiß vor mir hatte: weg von langen, seltenen Wochenend-Einheiten, hin zu täglichen Micro-Sessions von exakt 15 Minuten direkt nach Feierabend, bevor der Laptop zuklappt. Diese Konsistenz brachte den Fortschrittswert innerhalb weniger Wochen zurück auf 6, ohne dass ich die Gesamtübungszeit pro Monat nennenswert erhöht hätte, nur die Verteilung war eine andere. Wie sich kleine, tägliche Zeitfenster im Kalender eines Berufstätigen überhaupt unterbringen lassen, habe ich in meinem Artikel über Gitarre lernen als Erwachsener: Zeitmanagement-Tipps für berufstätige Hobbymusiker ausführlicher aufgeschlüsselt. Meine Frau kommentierte die neue Routine trocken damit, dass meine Midlife-Crisis wenigstens jetzt einen festen Kalendereintrag habe.

On-Demand-Kurse schlagen den festen Stundenplan

Ein Vorteil, der sich für mich über die Monate als der wichtigste herauskristallisiert hat, betrifft schlicht die Uhrzeit und wird beim Online-Lernen für Berufstätige oft unterschätzt. On-Demand-Kurse ohne feste Stundenpläne erlauben Berufstätigen ab 35 die freie Zeiteinteilung, und genau das ist für Wiedereinsteiger mit Vollzeitjob der entscheidende Vorteil gegenüber Live-Unterricht an fixen Abenden. Wenn ein Meeting sich in die Länge zieht oder ein Projekt kurz vor der Deadline steht, kann die Lektion einfach auf den späten Abend verschoben werden, ohne dass ein Kursplatz verfällt oder eine Lehrkraft wartet. Bei einem klassischen Präsenztermin hätte ich in etlichen Wochen absagen oder verschieben müssen, bei einem Video, das rund um die Uhr abrufbar ist, entfällt dieses Problem komplett.

Technisch braucht dieser Ansatz kaum mehr als ein Tablet oder einen Laptop und ein digitales Metronom, das griffbereit neben der Tastatur liegt. Welche Ausrüstung für den Wiedereinstieg wirklich sinnvoll ist und was reine Spielerei bleibt, ist wieder ein eigenes Kapitel, das an anderer Stelle im Detail durchgegangen wird. Für den Alltag reicht mir die Kombination aus Kopfhörern, einem stabilen Stimmgerät und der Geduld, eine Lektion notfalls dreimal anzusehen, bevor die Finger die Bewegung übernehmen.

Vier Dinge, die ein Kurs für Wiedereinsteiger wirklich braucht

Nach mittlerweile deutlich über hundert Sessions hat sich für mich ein klares Anforderungsprofil herausgebildet, das mit der schillerndsten Grafik oder dem bekanntesten Lehrer nichts zu tun hat. Erstens muss der Lernpfad strukturiert sein, damit ich nicht selbst entscheiden muss, was als Nächstes drankommt, genau wie ein guter Projektplan die Reihenfolge der Arbeitspakete vorgibt. Zweitens muss der Fortschritt geräteübergreifend synchron laufen, weil ich mal am PC im Arbeitszimmer und mal mit dem Tablet auf dem Sofa übe. Drittens gehört Musiktheorie in homöopathischen Dosen dazu, ähnlich wie Projektdokumentation: notwendig, aber niemand will fünfzig Seiten am Stück lesen, wenn sie sich stattdessen direkt in die Übungsbeispiele einweben lässt. Viertens zählt die Qualität des Videomaterials, weil ohne Lehrer vor Ort nur mehrere Kamerawinkel verhindern, dass sich eine falsche Handhaltung einschleicht.

Besonders schätzen gelernt habe ich inzwischen die Möglichkeit, Lektionen auf 75 Prozent der Originalgeschwindigkeit abzuspielen, denn mit Mitte 40 sind die Finger selten so schnell wie der Ehrgeiz im Kopf. Auf diese Funktion bin ich unter anderem beim MeineMusikschule E-Gitarre Kurs gestoßen, den ich mir aus reiner Recherche angesehen habe, ohne ihn hier weiter zu bewerben. Ob der Wiedereinstieg über die E- oder die Akustikgitarre gelingt, ist eine eigene Grundsatzfrage, die andernorts vertieft wird, genauso wie die Diskussion, ob man als Erwachsener überhaupt klassische Notenschrift braucht oder auch ohne Noten strukturiert vorankommt.

Abo oder Einmalzahlung: Was ergibt nach 142 Einheiten Sinn?

Ob man ein monatliches Abo oder eine Einmalzahlung wählt, ist mehr als eine Bauchentscheidung, und ich habe dazu an anderer Stelle eine ausführliche Abwägung durchgerechnet. Für mich persönlich gilt die Faustregel, ein Abo nur zu halten, solange ich mindestens drei Sessions pro Woche schaffe, fällt die Quote darunter, wird pausiert oder gekündigt. Bei den aktuellen Monatspreisen bewegt man sich grob in einer Größenordnung von 20 bis 24 Euro, wobei sich das je nach Anbieter, Aktion und Saison verschiebt, weshalb ich hier bewusst keine Nachkommastelle als dauerhaft gültig verkaufen will.

Genau an diesem Punkt bin ich selbst einmal gescheitert. Eine kostenlose Testphase eines Anbieters lief automatisch in ein bezahltes Abo über, weil ich den Kündigungstermin schlicht nicht im Kalender vermerkt hatte, und die Plattform anschließend klaglos hinter ihrer Paywall weiterlief, für einen Monat, den ich kein einziges Mal geöffnet habe. Ein Leser aus meinem Blog-Forum, Günter Raake, hat mich neulich mit genau dieser Präzision gelöchert und nach den Kündigungsfristen der verschiedenen Anbieter gefragt, und ich musste zugeben, dass ich diese Lektion nur deshalb kenne, weil ich selbst einmal nicht aufgepasst habe. Wie lang und wie fair die Testphasen der einzelnen Anbieter wirklich sind, habe ich andernorts in einem separaten Vergleich gegenübergestellt. Seitdem trägt jede Testphase in meiner Tabelle ein Enddatum mit Erinnerung, keine Ausnahme mehr.

Für analytische Wiedereinsteiger ist außerdem wichtig, dass eine Plattform überhaupt Fortschrittsbalken oder Checklisten anbietet, ein Gefühl von Kontrolle, wenn 45 Prozent des Moduls „Blues-Grundlagen" als erledigt markiert sind. Wie man Fortschritt über verschiedene Kurse hinweg überhaupt systematisch misst, statt nur nach Gefühl zu urteilen, ist ein Thema für sich. Wer sich für die reinen Zahlen interessiert, findet in meinem Online Gitarrenkurs Vergleich die Anbieter sortiert nach Fortschritt pro investiertem Euro, und die Unterschiede dort sind größer, als ich vor sechs Monaten erwartet hätte.

Fazit: Die Excel-Tabelle sagt mehr als das Bauchgefühl

Rechnet man die gesamten sechs Monate zusammen, stehen unter dem Strich etwa 220 Euro Ausgaben und 142 dokumentierte Übungseinheiten, macht rund 1,55 Euro pro Session, eine Quote, die ich vor jedem Controlling-Ausschuss verteidigen könnte, zumal die Gitarre selbst längst abgeschrieben ist. Wichtiger als die Eurobeträge ist für mich aber die eine Lektion, die sich durch alle Fehlversuche zieht: Fortschritt hängt weniger von der Wahl der Plattform ab als von der Frage, ob man eine Routine findet, die auch in einer stressigen Arbeitswoche noch Bestand hat. Wer nach Jahrzehnten Pause wieder einsteigt, sollte deshalb weniger Zeit mit der Suche nach dem perfekten Kurs verbringen und mehr Zeit damit, herauszufinden, wann im eigenen Tagesablauf zuverlässig fünfzehn Minuten übrigbleiben. Diese eine Erkenntnis war am Ende mehr wert als jeder einzelne Kursvergleich in meiner Tabelle.