E-Gitarre oder Akustikgitarre: Welcher Online-Kurs hilft beim Wiedereinstieg?

E-Gitarre oder Akustikgitarre: Online-Kurs-Vergleich für den Wiedereinstieg nach Jahrzehnten Pause

Das richtige Instrument für den Wiedereinstieg nach Jahrzehnten

Eine akustische Saite braucht unter dem Finger spürbar mehr Kraft als eine elektrische. Diese eine Beobachtung entscheidet für die meisten Wiedereinsteiger den ganzen Vergleich zwischen E-Gitarre und Akustikgitarre, noch bevor überhaupt ein Online-Kurs zur Debatte steht. Ich habe deshalb beim eigenen Wiedereinstieg mit über 40 zuerst das Instrument geprüft und erst danach Online-Kurse für Erwachsene verglichen, die das Gitarre lernen im vollen Alltag realistisch machen sollen – meine Version einer Midlife-Anwandlung, nur mit Excel-Tabelle statt Motorrad.

Ausgangspunkt war ein alter Formkoffer, verstaubt und mit klemmenden Verschlüssen, den ich bei der Suche nach den Winterreifen im Keller wiederfand. Bevor ich mir einen Kurs überhaupt ernsthaft ansah, kramte ich ein altes Songbook aus den Neunzigern heraus und versuchte, mich Akkord für Akkord daran entlangzuhangeln – ohne roten Faden, ohne Aufbau, nur Diagramme in beliebiger Reihenfolge. Nach zwei Abenden lag das Heft wieder im Regal, und mir war klar, dass ich ein System brauchte, keine Zufallssammlung.

Verstaubter Gitarrenkoffer wird nach Jahrzehnten Pause im Keller geöffnet – Startpunkt für den Wiedereinstieg auf der Gitarre

Als ich die Saiten grob auf den Kammerton stimmte, merkte ich schnell, dass meine Hände nicht mehr die Kraft von früher hatten. Ein Spaziergang durch die Eilenriede half an diesem Punkt mehr als jede weitere Recherche am Bildschirm: fernab vom Rechner ließ sich die Entscheidung zwischen den beiden Gitarrentypen klarer treffen. Wer Online-Kurse für Erwachsene systematisch nebeneinanderlegt und den Fortschritt pro investiertem Euro vergleicht, landet ohnehin schnell bei ähnlichen Fragen wie ich damals. Einen Kurs, der nur Song für Song ohne Technik-Erklärung aneinanderreihte, habe ich später aus genau diesem Grund wieder gekündigt – zu viel Repertoire, zu wenig System.

Acht Wochen zeigen einen klaren Unterschied zwischen den Instrumenten

Acht Wochen nach dem ersten Griff in die Saiten ließ sich der Unterschied kaum noch wegdiskutieren. Der G-Dur-Griff saß an diesem Abend sauber, ohne das metallische Schnarren der Nachbarsaite, nachdem ich ihn wohl an die zwanzig Mal hintereinander gegriffen hatte – auf der E-Gitarre ging das inzwischen spürbar leichter von der Hand als auf der Akustischen.

Der Grund dafür lässt sich auch mit dem Fachbegriff Mensur beschreiben, der schwingenden Saitenlänge, die je nach Gitarrentyp unterschiedlich ausfällt – entscheidender war für mich aber die reine Praxis: Auf der Akustikgitarre setzte die Ermüdung in den Fingerkuppen nach etwa 15 Minuten ein, auf einer geliehenen E-Gitarre konnte ich dagegen 40 Minuten am Stück üben, ohne aufzuhören. Wenn das Plektrum über die Wicklung der tiefen Saite schabt, ist das inzwischen ein vertrautes Geräusch, keines, das mich noch bremst. Warum die Fingermotorik bei Wiedereinsteigern über 40 anders trainiert werden sollte als bei Teenagern, ist noch mal ein eigenes Thema für sich.

Ein Bekannter, der am Wochenende gern Holzschnitzerei betreibt, fragte kürzlich, warum ich mir das mit der Akustikgitarre nicht einfach leichter mache. Bei ihm schmerzt höchstens der Daumen vom Schnitzmesser, bei mir ganze Fingerkuppen, die seit 25 Jahren keine Saite mehr gespürt hatten – ein Unterschied, den man erst versteht, wenn man beides selbst probiert hat.

Ergonomie am Feierabend

Über ein Audio-Interface lässt sich die E-Gitarre direkt an den Rechner anschließen und mit Kopfhörer üben, ganz ohne Rücksicht auf Nachbarn oder Feierabendstille. Diese Möglichkeit fehlt der Akustikgitarre komplett, und gerade nach einem langen Arbeitstag macht das für mich den Unterschied zwischen fünf Minuten und einer halben Stunde Übung. Manche Kurse erkennen inzwischen sogar per Software, ob der Ton sauber getroffen wurde, was über eine eingestöpselte E-Gitarre zuverlässiger funktioniert als über das eingebaute Mikrofon eines Laptops bei einer akustischen Gitarre.

Finger auf den Saiten einer E-Gitarre mit Audio-Interface im Hintergrund – Übungssetup für Erwachsene beim Gitarre lernen

Welches Zubehör darüber hinaus für den Wiedereinstieg wirklich nötig ist und was nur zusätzliche Kosten verursacht, wäre ein eigener Vergleich für sich – hier würde es den Rahmen sprengen.

Kosten pro Übungseinheit durchrechnen

Digitale Tabulaturen ersetzen bei den meisten Kursen inzwischen klassische Noten fast komplett, was für mich als Wiedereinsteiger ohne Notenkenntnisse eine spürbare Erleichterung war – wie sich das Lernen ganz ohne Notenschrift im Detail von klassischem Unterricht unterscheidet, ist aber ein eigenes Kapitel.

Ein durchschnittliches Online-Kurs-Abo liegt in einer Größenordnung von 20 bis 35 Euro im Monat, und bei etwa 20 Übungseinheiten zu je 30 Minuten komme ich auf ungefähr 1,25 bis 1,75 Euro pro Einheit – deutlich günstiger als Präsenzunterricht, der in Hannover selten unter 40 Euro pro Stunde zu bekommen ist. Kosten pro Übungseinheit durchzurechnen fühlt sich dabei nicht anders an als bei einem Fitnessstudio-Abo: Nur wer wirklich regelmäßig hingeht, drückt den Preis pro Einheit spürbar.

Ob sich langfristig ein Abo oder ein Einmalkauf mehr lohnt und wie sich kostenlose Testphasen der einzelnen Anbieter in diese Rechnung einbauen lassen, sind zwei Fragen, die ich hier bewusst nicht weiter aufdrösle.

In einem anderen Text habe ich bereits genauer verglichen, ob der Michigit Gitarrenkurs für ungeduldige Erwachsene zu lange Lektionen bietet, was für die Planung meiner Abende am Ende den Ausschlag gab.

Die eine Lehre aus acht Wochen Wiedereinstieg

Wie man den eigenen Fortschritt beim systematischen Gitarrelernen überhaupt sauber misst, ist wieder ein eigenes Thema, aber als Faustregel reicht am Anfang schon ein einfaches Übungstagebuch mit Datum und geübter Dauer.

Wer wie ich systematisch an den Wiedereinstieg herangeht, sollte zuerst das Instrument nach Ergonomie wählen und erst danach den Kurs nach Kosten pro Übungseinheit – nicht umgekehrt. Der alte Formkoffer aus dem Keller steht inzwischen nicht mehr zwischen den Winterreifen, sondern griffbereit neben dem Instrument, und aus dem anfänglichen Excel-Projekt ist eine feste Gewohnheit geworden, die sich nach acht Wochen längst ausgezahlt hat.